Was eine Wohnbaugenossenschaft ist
Eine Wohnbaugenossenschaft (französisch coopérative d'habitation, italienisch cooperativa di abitazione) gehört ihren Mitgliedern. Sie vermietet ihre Wohnungen zur Kostenmiete: Die Miete deckt die Kosten, und niemand macht Gewinn. Wer darin wohnt, ist in der Regel auch Mitglied.
Laut Wohnbaugenossenschaften Schweiz gehörten 2023 rund 7.5 Prozent der Schweizer Mietwohnungen Wohnbaugenossenschaften (kleine Stichprobe; Durchschnitt 2021 bis 2023: 7.8 Prozent). Der Verband zählt rund 2'000 Wohnbaugenossenschaften in der Schweiz (2025). Es gibt zwei Dachverbände: Wohnbaugenossenschaften Schweiz mit fast 1'300 Mitgliedern und über 174'000 Wohnungen (Website, geprüft am 15. Oktober 2026) und WOHNEN SCHWEIZ in Luzern.
Was es kostet
Beitreten heisst meist Anteilscheine zeichnen, also Anteilkapital einzahlen. Die Beträge sind sehr unterschiedlich. Drei Beispiele, jeweils laut Website der Genossenschaft, geprüft am 15. Oktober 2026:
- ABZ (Zürich): Anteilkapital von CHF 3'500 für 1.5 Zimmer bis CHF 8'500 für 6.5 Zimmer.
- Kraftwerk1 (Zürich): Die Mitgliedschaft kostet CHF 550, und ohne sie kannst du dich nicht bewerben.
- Codha (Genf und Waadt): ein Mitgliederanteil von CHF 100 pro erwachsene Person plus ein Jahresbeitrag, dazu ein Eigenkapitalbeitrag von rund CHF 5'000 bis 6'000 pro Zimmer der Wohnung.
Dafür ist die Miete tiefer: Schweizweit liegen gemeinnützige Mieten bei gleicher Zimmerzahl im Durchschnitt 8 bis 20 Prozent tiefer (Bundesamt für Wohnungswesen BWO, 2024). Laut der Stadt Zürich sind gemeinnützige Mieten rund 25 Prozent tiefer als Mieten auf dem freien Markt (Website der Stadt, geprüft am 15. Oktober 2026).
Die Regeln
- Mitgliedschaft. Du trittst bei und zeichnest Anteile; manche Genossenschaften nehmen Bewerbungen nur von Mitgliedern an.
- Belegung. Genossenschaften legen fest, wie viele Personen in einer Wohnung leben müssen. In Zürich gilt häufig: höchstens «Personen plus eins» Zimmer, ein Paar bekommt also bis zu drei Zimmer (wbg-zh). In Genf nennt die GCHG den Belegungsgrad (taux d'occupation) und das Verhältnis von Miete zu Einkommen (taux d'effort) als Regeln.
- Einkommen und Vermögen. Allgemeine Einkommenslimiten für Genossenschaftswohnungen gibt es nicht; nur subventionierte Wohnungen haben sie (FAQ von Wohnbaugenossenschaften Schweiz). Beispiel Kanton Zürich, subventionierte Wohnungen in Bauten ab 2006, Limiten 2026 auf Basis des steuerbaren Einkommens 2025: CHF 53'400 für eine Person beim Einzug, CHF 63'000 für zwei und mehr Personen, Vermögen höchstens CHF 200'000, mindestens zwei Jahre Wohnsitz im Kanton, für Ausländerinnen und Ausländer eine C-Bewilligung, Wohnungen ab vier Zimmern nur für Familien.
- Wohnsitz und Bewilligung. Manche Genossenschaften und Förderprogramme verlangen zusätzlich Wohnsitz in der Gemeinde oder im Kanton oder eine gewisse Bewilligungsart.
Zwei Wege, wie Genossenschaften vermieten
1. Warteliste oder Anciennität. In Genf erklärt die GCHG: Für eine Wohnung musst du Mitglied einer Genossenschaft werden, der Beitritt garantiert keine baldige Wohnung, und manche Wartelisten sind lang. Codha, tätig in Genf und in der Waadt, vergibt nach Anciennität: Es zählt das Beitrittsdatum, und Codha nennt 3 bis 7 Jahre Wartezeit. Hier ist ein früher Beitritt wichtiger als schnelles Reagieren.
2. Ausschreiben und schnell bewerben. Laut dem Zürcher Regionalverband wbg-zh führen die meisten Zürcher Genossenschaften keine Wartelisten mehr. Sie schreiben freie Wohnungen auf der eigenen Website aus, oft nur kurz, und auf Portalen wie Homegate, Flatfox und newhome, wo die Inserate oft nach 15 bis 30 Minuten wieder weg sind. Hier entscheiden Tempo und ein bereites Dossier.
Prüfe bei jeder Genossenschaft, welchen Weg sie geht, bevor du Zeit investierst.
Region für Region
- Zürich: Ende 2023 waren in der Stadt Zürich 27.0 Prozent der Mietwohnungen gemeinnützig, rund 58'100 von 215'000. Im Kanton liegt der Anteil bei rund 9 Prozent (wbg-zh). Details: Genossenschaftswohnung in Zürich finden.
- Genf: 128 Genossenschaften mit fast 12'000 Wohnungen, rund 7 Prozent der Mietwohnungen (Kanton Genf, 31. Dezember 2021). Die GCHG, der Zusammenschluss der Genfer Wohnbaugenossenschaften, veröffentlicht ihre Mitgliederliste.
- Waadt mit Lausanne und übrige Romandie: Regionalverband ist ARMOUP, der Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger der Westschweiz; er veröffentlicht keine freien Wohnungen. Codha vergibt auch in der Waadt nach Anciennität.
- Basel: Laut wbg Nordwestschweiz machen Genossenschaftswohnungen in der Stadt rund 11 Prozent der Wohnungen aus; der Verband zählt rund 210 Genossenschaften mit etwa 17'000 Wohnungen und listet seine Mitglieder auf (Website, geprüft am 15. Oktober 2026).
- Bern und Solothurn: Der Regionalverband wbg-beso hat über 200 Mitglieder mit mehr als 25'000 Wohnungen (Website, geprüft am 15. Oktober 2026); er veröffentlicht keine freien Wohnungen, der Weg führt also über seine Mitglieder.
- Tessin: Anlaufstelle ist CASSI, der Regionalverband der italienischen Schweiz.
- Zentral- und Ostschweiz, Winterthur und Schaffhausen: wbg Zentralschweiz, wbg Ostschweiz und wbg Winterthur-Schaffhausen.
Eine praktische Routine
- Mach deine Liste. Finde über die Mitgliederliste deines Regionalverbands die Genossenschaften in deiner Wunschgegend und notiere, wie jede vermietet.
- Tritt früh bei, wo die Mitgliedschaft zählt. Bei Anciennität, wie bei Codha, zählt jeder Monat.
- Abonniere Newsletter. Manche Genossenschaften melden freie Wohnungen nur Mitgliedern oder im Newsletter.
- Prüfe die Seiten mit freien Wohnungen täglich, idealerweise zu einer festen Zeit: Manche Genossenschaften schreiben immer zur gleichen Uhrzeit aus.
- Halte dein Dossier bereit: ID, Lohnausweis, Betreibungsauszug und Referenzen, siehe welche Unterlagen du brauchst. Leg auch das Geld für die Anteilscheine zur Seite.
- Bewirb dich innert Stunden, wenn eine Wohnung passt.
Was dir hilft
- Die Websites und Newsletter der Genossenschaften: die Quelle selbst, und der Ort, an dem Angebote nur für Mitglieder erscheinen.
- Mitgliederlisten und Mitgliederkarte: Die Regionalverbände verlinken ihre Mitglieder, und Wohnbaugenossenschaften Schweiz bietet eine Karte ihrer Mitglieder.
- Suchabos: wohnschaft.ch (kostenlose Suche und tägliche E-Mail, kostenpflichtige Optionen), genossenschaftsscout.ch und genossenschaffen.ch (kostenpflichtig, Zürcher Genossenschaften) sowie mietradar.ch und laos.io (kostenpflichtig, nach eigener Angabe schweizweit) beobachten Genossenschafts-Websites für dich. Vergleiche, welche Genossenschaften sie jeweils abdecken.
- aptari: aptari prüft täglich die Websites von rund 800 Schweizer Wohnbaugenossenschaften und anderen gemeinnützigen Wohnbauträgern und zeigt die gefundenen freien Wohnungen in seinem kostenlosen Feed, ohne Login, mit dem Badge «Genossenschaft» und einem Quellenfilter, neben Inseraten von Homegate, ImmoScout24 und Flatfox. Ein Genossenschaftsinserat öffnet die Website der Genossenschaft, und deine Bewerbung geht an die Genossenschaft. aptari ist keine Genossenschaft: Es vergibt keine Wohnungen, führt keine Wartelisten, deckt nicht jede Genossenschaft ab und kann keine Wohnungen zeigen, die nur Mitgliedern oder im Newsletter angeboten werden. Passport Apply mit einem Klick funktioniert nur bei Inseraten von aptari-Partnerverwaltungen, nicht bei Genossenschaftsinseraten; dein Tenant Passport hält deine Unterlagen trotzdem bereit. Benachrichtigungen zu neuen Inseraten für gespeicherte Suchen gibt es mit Pro (CHF 9.90 pro Monat, Aktionspreis), Ultra und in den 14 Tagen Pro gratis; Stöbern bleibt kostenlos. Eine tägliche Prüfung kann eine Wohnung verpassen, die innert Stunden vergeben ist. Beobachte darum auch die Seiten deiner Wunschgenossenschaften.
Zuletzt geprüft: 15. Oktober 2026.